Vier Jahre Cannabisverschreibung: Eine funktionierende Therapie darf kein Glücksfall sein
Von PPS
(Zürich)(PPS) Mein Name ist Franziska Quadri. Ich bin Cannabispatientin und Präsidentin des Vereins MEDCAN. Vor vier Jahren hat sich mein Leben grundlegend verändert: Endlich erhalte ich meine Medikamente auf Cannabisbasis legal, geprüft und ärztlich begleitet. Doch leider bin ich damit noch immer eine Ausnahme. Trotz der Gesetzesänderung bleibt eine sichere und bezahlbare Cannabistherapie für viele Betroffene bis heute unerreichbar.
Am 1. August 2022 wurde in der Schweiz ein wichtiger Schritt gemacht: Ärztinnen und Ärzte dürfen Cannabis seither medizinisch ohne Ausnahmebewilligung des Bundes verschreiben. Für mich bedeutete das endlich eine sichere, legale und ärztlich begleitete Behandlung.
«Endlich muss ich keine Angst mehr haben, wie ich meine Schmerzen und meine Spastik behandeln kann. Das hat mir Sicherheit und Zuversicht zurückgegeben.»
Seit meinem Unfall lebe ich mit starken neuropathischen Schmerzen und Spastik. Heute werde ich ärztlich begleitet und erhalte meine Cannabisblüten in geprüfter Qualität aus einer spezialisierten Apotheke. Die Kosten übernimmt meine Unfallversicherung. Das hat meinen Alltag komplett verändert. Endlich muss ich mich nicht mehr in der Illegalität bewegen, um an meine Schmerzmittel zu gelangen. Ich kann mein Leben wieder ohne Angst leben und zuversichtlich in die Zukunft blicken.
«Ich bin jeden Tag so dankbar für diese Möglichkeit. Gleichzeitig macht es mich traurig, dass sie für viele andere noch immer nicht selbstverständlich ist.»
Mehrmals wöchentlich erreichen MEDCAN Anfragen von Menschen, die trotz schwerer Erkrankungen keine Ärztin oder keinen Arzt finden, der bereit ist, Cannabis zu verschreiben. Andere erhalten zwar ein Rezept und werden ärztlich begleitet, müssen ihre Cannabismedikamente aber trotzdem selbst bezahlen.
«Es ist schwer zu verstehen, dass Menschen auf eine Therapie verzichten müssen, obwohl sie ihnen nachweislich hilft und ihre Lebensqualität verbessern könnte.»
Cannabis wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze genutzt und verfügt über ein vergleichsweise moderates Nebenwirkungsprofil. Je nach Erkrankung kann es Schmerzen lindern, Spastik reduzieren, Entzündungen hemmen, den Schlaf verbessern und vielen Betroffenen ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Trotzdem bleibt der Zugang für viele unnötig schwierig.
Immer wieder erleben wir, dass Betroffene dank Cannabis weniger andere Medikamente benötigen, ihren Alltag wieder besser bewältigen können, seltener ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und insgesamt an Lebensqualität gewinnen. Cannabis ist deshalb nicht nur eine Chance für Patientinnen und Patienten, sondern auch für unser Gesundheitssystem.
Wenn wirksame Therapien dazu beitragen, das Leben der Betroffenen zu verbessern, die Selbstständigkeit zu fördern sowie Arztbesuche, Hospitalisationen und Folgekosten zu reduzieren, profitieren letztlich alle davon. Diese Zusammenhänge werden bei Entscheidungen über die Kostenübernahme medizinischer Cannabistherapien noch viel zu wenig berücksichtigt.
Die Gesetzesänderung war positiv und wir haben heute einen besseren Zugang als viele andere
Länder in Europa – aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Es braucht mehr medizinisches
Fachwissen, einen einfacheren Zugang zu verschreibenden Ärztinnen und Ärzten sowie transparente und nachvollziehbare Entscheidungen der Kranken- und Unfallversicherungen, die sich am Wohl und am gesundheitlichen Nutzen der Betroffenen orientieren.
Wenn eine ärztlich verordnete Cannabistherapie nachweislich hilft, darf sie den Betroffenen nicht verwehrt werden. Und es ist höchste Zeit, dass den Erfahrungen von Patientinnen und Patienten endlich zugehört und geglaubt wird.
«Erst wenn niemand mehr um eine wirksame Behandlung kämpfen muss, haben wir unser Ziel erreicht.»
Anlässlich des vierten Jahrestages der Gesetzesänderung veröffentliche ich mein persönliches Statement «Vier Jahre Cannabisverschreibung – ein Rückblick als Patientin». Darin erzähle ich meine Geschichte und zeige auf, welche Fortschritte wir erreicht haben – aber auch, weshalb noch immer viel zu viele Menschen um eine wirksame und bezahlbare Cannabistherapie kämpfen müssen.
Persönliches Statement: https://medcan.ch/news/vier-jahre-cannabisverschreibung-ein-rueckblick-als-patientin
«Als Präsidentin von MEDCAN wünsche ich mir, dass eine funktionierende, sichere und bezahlbare Cannabistherapie in Zukunft kein Glücksfall mehr ist, sondern allen offensteht.»
Franziska Quadri
Präsidentin MEDCAN Schweiz
MEDCAN Schweiz ist die unabhängige Patientenorganisation für die medizinische Anwendung von Cannabis in der Schweiz. Seit über zehn Jahren setzt sich der Verein für einen sicheren, legalen und bezahlbaren Zugang zur medizinischen Cannabistherapie ein. MEDCAN informiert Betroffene und medizinische Fachpersonen, vermittelt Wissen und unterstützt Patientinnen und Patienten auf ihrem Weg zur Therapie. Die Erfahrungen der Menschen, die sich an MEDCAN wenden, zeigen deutlich: Trotz wichtiger Fortschritte besteht weiterhin grosser Handlungsbedarf.
Medical Cannabis Verein Schweiz
Kalkbreitestrasse 6
8003 Zürich
Franziska Quadri
franziska.quadri @ medcan.ch
Telefon 079 815 84 32