Selbstbestimmte Familienplanung braucht faire Chancen für alle
Von PPS
(Bern)(PPS) Rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind oder werden im Laufe ihres Lebens mit Fruchtbarkeitsproblemen konfrontiert. Gleichzeitig wünschen sich rund die Hälfte der Frauen und Männer zwei Kinder, während dieser Wunsch nur für 38 Prozent Realität wird. Diese Zahlen verdeutlichen die gesellschaftliche Relevanz von Fertilität und Familienplanung. Im Zentrum der nationalen Fachtagung «Let's Talk About F* – Fertility! Family? Fairness.» diskutierten Fachpersonen aus Wissenschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, wie Menschen ihre Familienplanung informiert und selbstbestimmt gestalten können.
Die von Pro Familia Schweiz und Family Forward organisierte Fachtagung zeigte: Familienplanung ist eine persönliche Entscheidung, wird jedoch wesentlich von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Finanzielle Sicherheit, berufliche Perspektiven, Gesundheit, Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten sowie rechtliche Rahmenbedingungen prägen die Möglichkeiten, einen Kinderwunsch zu verwirklichen.
Wissen als Grundlage für selbstbestimmte Entscheidungen
Ein zentrales Thema der Tagung war die Bedeutung von Wissen über Fruchtbarkeit und reproduktive Gesundheit. Die Diskussionen machten deutlich, dass viele Menschen erst dann Informationen suchen, wenn ein Kinderwunsch bereits konkret wird. Gleichzeitig bestehen nach wie vor Wissenslücken über Faktoren, welche die Fruchtbarkeit beeinflussen, sowie über die Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin.
Die Diskussionen machten deutlich, dass verlässliche und verständliche Informationen eine wichtige Voraussetzung dafür sind, Entscheidungen zur eigenen Familienplanung selbstbestimmt treffen zu können.
Unerfüllter Kinderwunsch betrifft viele Menschen
Besondere Aufmerksamkeit galt der Situation von Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Referate und Erfahrungsberichte zeigten, dass Fruchtbarkeitsprobleme und Kinderwunschbehandlungen mit erheblichen zeitlichen, körperlichen, psychischen und finanziellen Belastungen verbunden sein können.
Die Tagung unterstrich die Bedeutung von psychosozialer Begleitung und Unterstützungsangeboten für Betroffene und ihre Angehörigen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Thema in der Gesellschaft häufig noch tabuisiert wird.
Faire Rahmenbedingungen im Alltag
Die Diskussionen zeigten, dass Verbesserungen dort ansetzen müssen, wo Menschen ihren Alltag leben. Dazu gehören frühzeitige Aufklärung, niederschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote, faire Zugangsmöglichkeiten zu Hilfsangeboten sowie verständnisvolle Arbeitsbedingungen.
Auch die Arbeitswelt kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Menschen in Phasen von Kinderwunschbehandlungen oder Familiengründung unterstützt und Rahmenbedingungen schafft, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen.
Mensch im Mittelpunkt
Das Fazit der Tagung ist klar: Selbstbestimmung erfordert verlässliches Wissen, faire Zugänge und Unterstützung, die unterschiedliche Lebenswege berücksichtigt. Dabei müssen die Menschen mit ihren Hoffnungen, Erwartungen und Belastungen im Mittelpunkt stehen. Demografische Überlegungen dürfen individuelle Entscheidungen über Familienplanung und Elternschaft nicht überlagern.
Politik, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Arbeitgebende und Zivilgesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung für Rahmenbedingungen, die eine selbstbestimmte Familienplanung ermöglichen. Dazu gehören die Einbeziehung von Betroffenen sowie die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven und auch kontroverse Fragen offen zu diskutieren.
Eine faire Gesellschaft unterstützt Menschen dabei, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, begleitet sie bei unerfüllten Hoffnungen und respektiert ebenso ein bewusst gewähltes Leben ohne Kinder.
Die vollständige Tagungsdokumentation zur Fachtagung «Let's Talk About F* – Fertility! Family? Fairness.» ist nächstens auf www.profamilia.ch verfügbar.
An der Fachtagung beteiligten sich Fachpersonen aus Wissenschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft und Betroffenenorganisationen. Zu den Referierenden gehörten unter anderem Dr. Maila Mertens, Eva Corba, Dr. med. Mischa Schneider, MMag. Christina Fadler, Dr. Anna Brzykcy und Nationalrat Marc Jost. Ergänzt wurden die Fachreferate durch Podiumsdiskussionen mit Vertreter:innen aus Forschung, Praxis und Betroffenenorganisationen.
Bildlegende: Viele Menschen können ihre Familienplanung nicht so umsetzen, wie sie es sich wünschen: Während rund die Hälfte der Frauen und Männer zwei Kinder haben möchte, wird dieser Wunsch nur für 38 Prozent Realität. Quelle: BFS – Erhebung zu Familien und Generationen (EFG)
Pro Familia Schweiz
Eva-Maria Kaufmann Rochereau
Marktgasse 36
CH-3011 Bern
eva-maria.kaufmann @ profamilia.ch
Family Forward
Dr. Fernanda Wüthrich und Sabine Hutchison
info @ familyforward.ch