Die Tech-Industrie zwischen Stagnation und Lichtblicken

(Zürich)(PPS) Die Schweizer Tech-Industrie hat ein verlorenes Jahr hinter sich. 2025 war geprägt von hohen US-Zöllen und schwachen Exportmärkten. Umsätze (-0,3%) und Güterexporte (+0,7%) stagnierten. Erste Erholungssignale bei den Auftragseingängen (+1,4%) sind zwar kleine Lichtblicke. Doch die volatile Weltlage, die unberechenbare US-Zollpolitik, der starke Franken und die Abschottungstendenzen der EU bringen auch 2026 grosse Herausforderungen und Risiken mit sich. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage von Swissmem: Die Unternehmen halten am Standort Schweiz fest und planen hierzulande weiter zu investieren. Die drei wichtigsten Gründe dafür sind die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, der liberale Arbeitsmarkt sowie die guten regulatorischen Rahmenbedingungen. Diese wie auch weitere Standortvorteile muss die Schweiz verteidigen.

Die Umsätze in der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) verharrten 2025 praktisch auf dem Vorjahresniveau (-0,3%). Nach einem schwachen ersten Halbjahr mit einem deutlichen Umsatzrückgang (-2,5%) setzte im Vergleich zu den Vorjahresperioden im dritten (+3,0%) und vierten Quartal (+1,1%) eine leichte Erholung ein.

Die Auftragseingänge entwickelten sich nur bescheiden. Sie erhöhten sich 2025 insgesamt um +1,4 Prozent. Immerhin verlief das zweite Halbjahr besser als das erste. Gegenüber den jeweiligen Vorjahresquartalen erhöhten sich die Aufträge sowohl im dritten Quartal (+5,4%) wie auch im vierten Quartal (+5,0%). Das sind kleine Lichtblicke. Zudem stieg die Kapazitätsauslastung in den Betrieben erstmals seit zehn Quartalen wieder leicht an. Sie erreichte im vierten Quartal 81,5 Prozent, nachdem sie vorher auf 80,7 Prozent abgesunken war. Damit liegt sie aber noch immer deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85,6 Prozent. Die Anzahl Mitarbeitende in der Tech-Industrie betrug im vierten Quartal 2025 322’900. Das sind 6’600 weniger als im Vorjahr.

EU-Geschäft kompensiert die Exportverluste in die USA und nach Asien

Im Vergleich zum Vorjahr stagnierten 2025 die Güterexporte der Tech-Industrie (+0,7%) und erreichten einen Wert von 68,1 Milliarden Franken. Bei den wichtigsten Warengruppen sanken die Ausfuhren bei Maschinen, Apparaten und mechanischen Geräten um -3,5 Prozent sowie bei Metallen und Metallwaren um -0,6 Prozent. Hingegen stiegen sie bei den Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeugen um +14,9 Prozent, bei Elektrischen Maschinen, Apparaten und anderen elektrotechnischen Waren um +3,0 Prozent sowie bei den Mess-, Prüf- und Präzisionsinstrumenten um +0,5 Prozent.

Die wichtigsten Absatzmärkte entwickelten sich unterschiedlich. Aufgrund der hohen Zölle ist der starke Rückgang der Exporte in die USA (-7,6%) wenig überraschend. Allein im vierten Quartal sanken sie um -18 Prozent. Auch die Ausfuhren nach Asien waren 2025 rückläufig
(-2,9%), wobei die negative Entwicklung des chinesischen Marktes (-11,2%) besonders ins Gewicht fällt. Der sichere Anker für die Exporte der Tech-Industrie war einmal mehr der EU-Markt, wohin die Güterausfuhren um +3,5 Prozent anstiegen.

Stimmungsaufhellung mit diversen Vorbehalten

«2025 war ein verlorenes Jahr für die Schweizer Tech-Industrie», sagt Martin Hirzel, Präsident Swissmem. «Die Unternehmen haben sich angesichts des brutalen Umfeldes mit horrenden US-Zöllen und weltweiter Zurückhaltung bei Investitionen aber sehr gut geschlagen». Die Erwartungen für 2026 sind durchzogen. Bei den Bestellungen hat im zweiten Halbjahr 2025 ein leichter Rückenwind eingesetzt, und der PMI der Industrie weist in wichtigen Märkten, insbesondere in Europa, auf ein Wachstum hin.

Auch die Stimmung der Unternehmerinnen und Unternehmer hat sich leicht aufgehellt. In der jüngsten Umfrage gehen 32 Prozent der Firmen in den nächsten zwölf Monaten von steigenden Aufträgen aus dem Ausland aus. 45 Prozent erwarten eine unveränderte Entwicklung, und 23 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Allerdings lässt sich noch nicht abschätzen, ob sich dieser positive Trend fortsetzen oder ein kurzes Strohfeuer bleiben wird. «Die Herausforderungen und Risiken bleiben gross», warnt Martin Hirzel. «Ich denke dabei an die generell unsichere Weltlage mit vielen offenen und schwelenden Konflikten, die unberechenbare US-Zollpolitik, den starken Schweizer Franken und die jüngsten Abschottungstendenzen der EU. Sorgen bereitet mir zudem, dass im Parlament das Verständnis für die Bedeutung unserer Standortvorteile zu fehlen scheint.»

Standortvorteile sichern Investitionen in der Schweiz

Trotz der zuletzt schwierigen Jahre haben die Unternehmen der Tech-Industrie am Standort Schweiz festgehalten. Das zeigt eine Befragung der Swissmem Mitgliedfirmen von Anfang 2026. So haben in den letzten drei Jahren 88 Prozent der Unternehmen in der Schweiz investiert – vor allem in den Ausbau und Modernisierung von Produktionskapazitäten, in die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte sowie in die Modernisierung der IT und Geschäftsprozesse. Die wichtigsten Gründe, welche für die Schweiz sprechen, sind die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte (79%), die vorteilhaften Arbeitsmarktregulierungen (75%) sowie die guten regulatorischen Rahmenbedingungen (68%). Auch in den kommenden drei Jahren planen 81 Prozent der Firmen in der Schweiz zu investieren.

«Diese Umfrageergebnisse zeigen, dass der Standort Schweiz für die Tech-Industrie nach wie vor attraktiv ist», sagt Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem. Aus der Umfrage geht auch klar hervor, welche Standortvorteile die Schweiz unbedingt verteidigen muss, damit dies so bleibt. «Ein wichtiger Schlüssel für den Zugang zu Fachkräften ist die Personenfreizügigkeit mit der EU. Deshalb muss die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abgelehnt werden, denn sie gefährdet die Personenfreizügigkeit», betont Stefan Brupbacher.

Darüber hinaus bleiben der liberale Arbeitsmarkt und die guten Rahmenbedingungen im Fokus. Dazu gehört, dass das Zollabkommen mit den USA zum Abschluss gebracht werden muss. Zudem muss die Schweiz alles tun, damit sie bei Gegenmassnahmen der EU nicht als Drittstaat behandelt und vom Markt partiell ausgeschlossen wird. Dafür bieten die Bilateralen III die einzig realistische Brücke, auch wenn es in der neuen Welt keine Sicherheiten mehr gibt.

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