Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern wächst, insgesamt ist die Schweiz in Sachen Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt stabil
- Schweiz ist im internationalen Gesamtranking einen Platz aufgestiegen auf Rang 20
- Erwerbsquote von Frauen ist hoch, jedoch sinkt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten leicht
- Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern beträgt 17,4 %
(Zürich)(PPS) Die Schweiz verbessert ihre Platzierung im «PwC Women in Work Index 2026» von Rang 21 auf 20. Die Gesamtbewertung (Indexscore) bleibt gegenüber dem Vorjahr jedoch unverändert mit 68,7. Die Erwerbsquote von Frauen liegt bei 80.8 % und ist damit im Vergleich zum Vorjahr (80.4 %) leicht gestiegen. Ebenso die Arbeitslosenquote von Frauen, sie ist mit 4.7 % aber weiterhin niedrig. Gesunken hingegen ist der Anteil von Frauen in Vollzeitbeschäftigung – von 60.7 % auf 59.2 %. Die geschlechtsspezifische Lohnlücke verharrt auf einem hohen Wert von 17.4 % und hat sich gegenüber dem Jahr zuvor sogar noch sehr leicht erhöht von 17.2 %.
«Diese Werte zeigen, dass die Stellung der Frauen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt stagniert und sich in einigen Bereichen sogar verschlechtert hat. Frauen stehen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen, wie der begrenzten und kostspieligen Kinderbetreuung, während sie den Grossteil der Pflegeverantwortung übernehmen. Dies eröffnet jedoch auch die Möglichkeit für Schweizer Unternehmen, für weibliche Talente attraktiver zu werden, zum Beispiel durch die Möglichkeit, Fürsorge und Karriere zu kombinieren», sagt Teena Madhvani, Partnerin, People & Organisation, PwC Schweiz.
OECD-weit nur noch verlangsamter Fortschritt, doch Lohnlücke wird kleiner
Während die Schweiz im Index stabil bleibt, zeigen die Daten in der OECD insgesamt eine Verlangsamung. So hat sich der Women in Work-Index zwischen 2023 und 2024 lediglich um 0.5 Punkte verbessert – halb so viel wie im Jahresdurchschnitt seit 2011 (1.0 Punkte).
Diese Verlangsamung ist vor allem auf schlechtere Beschäftigungsaussichten für Frauen zurückzuführen: Die weibliche Arbeitslosenquote in der OECD ist um 0.2 Prozentpunkte auf 5.5 % gestiegen, und zum ersten Mal ist der Anteil der Frauen in Vollzeitbeschäftigung gefallen – von 78.1 % auf 76.8 %. Dies deutet auf eine steigende Tendenz hin zu Teilzeitarbeit hin.
Positiv ist jedoch, dass sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede in einigen Bereichen etwas verringern: Die durchschnittliche Lohnlücke innerhalb der OECD ist um 0.6 Prozentpunkte auf 12.4 % gesunken - der grösste Rückgang in den letzten fünf Jahren. Zudem verringerte sich die Erwerbslücken-Differenz zwischen Männern und Frauen um 0.3 Prozentpunkte.
Spitzenreiter und Schlusslichter – Island setzt Massstäbe
Island verteidigt zum fünften Mal in Folge den ersten Platz im Index dank seiner herausragenden weiblichen Erwerbsquote von 85.1 % – gut 12 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt von 73.1 %. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind grosszügige Elternzeitregelungen, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sowie eine familienfreundliche Arbeitskultur, die beispielsweise eine Vier-Tage-Arbeitswoche fördert.
An der Spitze folgen ausserdem Luxemburg, Neuseeland, Slowenien und Schweden – alles Länder mit vergleichsweise niedrigen Lohnlücken und einer Infrastruktur, die berufstätige Frauen unterstützt, insbesondere solche mit familiären Verpflichtungen.
Die Schlusslichter bilden weiterhin Mexiko, Südkorea, Chile, Italien und Griechenland. Diese Länder haben niedrige Frauenbeteiligung am Arbeitsmarkt und grosse Unterschiede bei den Erwerbsquoten, die insbesondere durch unzureichende Betreuungsangebote und kulturelle Hürden bedingt sind.
Die Schweiz im internationalen Vergleich – gute Ausgangslage, aber Nachholbedarf
Die Schweiz liegt mit ihrer stabilen Lohnlücke von 17.4 % deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 12.4 %. Der überdurchschnittlich hohe Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen und die sich nur sehr langsam verbessernde Lohnungleichheit zeigen, dass die Schweiz beim Thema Gleichstellung weiterhin Nachholbedarf hat.
Johannes Smits, Partner, People & Organisation bei PwC Schweiz, erklärt: «Die Schweiz kann auf stabilen Ergebnissen aufbauen, muss aber weiterhin aktiv Frauen im Arbeitsmarkt fördern. Gerade der Rückgang der Vollzeitbeschäftigung von Frauen in der Schweiz und die anhaltende Lohnlücke sind Warnsignale. Nur mit konsequenten Massnahmen, wie flexibleren Arbeitsmodellen, können die Zunahme von Frauen in Führungspositionen und die Förderung von Lohngleichheit beschleunigt werden – zum Nutzen von unserer Wirtschaft, Unternehmen und Gesellschaft.»
Über den Women in Work Index 2026
Der «PwC Women in Work Index» bewertet seit 2011 die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt anhand von fünf Kernindikatoren: Erwerbsquote von Frauen, Differenz in der Erwerbsquote zwischen Männern und Frauen, Arbeitslosenquote von Frauen, Anteil der Frauen mit Vollzeitbeschäftigung sowie geschlechtsspezifische Lohnlücke. Die Studie analysiert 33 OECD-Länder und zeigt Fortschritte und Herausforderungen bei der Gleichstellung am Arbeitsplatz auf. Für die Studie wurden Arbeitsmarktdaten aus dem Jahr 2024 für 33 OECD-Länder ausgewertet. Die zur Aktualisierung des WiW-Index verwendeten Daten sind OECD- und Eurostat-Daten, um die internationale Vergleichbarkeit sicherzustellen. Wichtige Quellen, die von diesen Organisationen für Schweizer Daten genutzt werden, sind das Eidgenössische Statistikamt (FSO), das Staatliche Sekretariat für Wirtschaftsangelegenheiten (SECO), die Schweizerische Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit (SDC) und die Schweizerische Nationalbank.
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