TA-Swiss Studie: Sharing Economy - Teilen statt besitzen

(Bern)(PPS) Immer mehr Güter werden über digitale Marktplätze und Plattformen geteilt, getauscht oder verkauft – von Werkzeug und Haushaltsgeräten über verschiedene Dienstleistungsangebote bis hin zu Investitionsgütern. In der Schweiz bestehen aktuell viele Angebote im Bereich der sogenannten Sharing Economy oder Plattformökonomie. Abgesehen von einigen, vor allem internationalen Ausnahmen wie Uber oder Airbnb, ist die Verbreitung dieser Angebote aktuell noch überschaubar. Der Stellenwert der Plattformökonomie wird aber generell zunehmen. Die vorliegende Studie schätzt grob ab, welche heutigen Qualitäten der Schweiz auch künftig für den Umgang mit dieser Entwicklung relevant sein dürften und mit welchen – gegebenenfalls regulatorischen – Massnahmen diese landesspezifischen Qualitäten in einer zunehmend von der Plattformökonomie geprägten Volkswirtschaft bewahrt werden können.

Aus heutiger Sicht ist die Schweiz für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt: Sie verfügt über wesentliche Standortqualitäten, die mit der weiteren Digitalisierung und Verbreitung der Plattformökonomie an Relevanz gewinnen dürften. Entscheidend wird sein, ein Gleichgewicht zu finden zwischen neuen, rechtzeitigen Erweiterungen oder Anpassungen des Regulierungsrahmens und zweckmässigem Abwarten. Mit voreiligen Regulierungsankündigungen oder -eingriffen können Planungsunsicherheiten entstehen und Entwicklungen im Keim erstickt werden. Gleichzeitig sind Akzeptanz und Vertrauen wichtige Faktoren für die Verbreitung der Plattformökonomie. Deshalb braucht es bei Bedarf griffige Bestimmungen im Rahmen der «Sozialverfassung» zum Schutze der KonsumentInnen und der Unternehmen. 

Die wichtigsten Empfehlungen der TA-SWISS-Studie:

  • Der Umgang mit der Plattformökonomie ist ein wesentlicher Faktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft im internationalen Vergleich. Damit die Schweiz diese Entwicklung erfolgreich meistern kann, sind keine sofortigen, spezifisch auf einzelne Anwendungen ausgerichteten Regulierungen notwendig. Die zuständigen Behörden sind jedoch gefordert, die Entwicklungen laufend zu beobachten und zu analysieren, insbesondere im Bereich des Konsumentenschutzes (inkl. Datenschutz), des Arbeitsmarktes und der Wettbewerbsfähigkeit. 
     
  • Die Entwicklungen sollten dafür genutzt werden, bestehende Regulierungen in angestammten Märkten zu überprüfen. Durch bessere Vergleichsmöglichkeiten auf den neuen Plattformen könnten Asymmetrien in bestimmten Märkten, die früher zu Marktversagen führten und bisher reguliert wurden, in wesentlichem Masse abgebaut werden oder bestehende Regulierungen hinfällig machen. Das betrifft insbesondere Regulierungen im Bereich der Registrierungspflichten, der Fähigkeitsatteste, Ausbildungsvorgaben, Gesundheitsprüfungen oder der Fahrtenschreiber
     
  • Ein ungenügend regulierter oder schlecht umgesetzter Datenschutz kann die Verbreitung der Plattformökonomie stark hemmen, sowohl aufseiten der Anbietenden als auch der Nutzenden. Möglicher Handlungsbedarf ergibt sich hinsichtlich Eigentumsrechten an nutzergenerierten Daten, Schutz von Urheberrechten und Übernahmemöglichkeiten von internationalen Datenschutzbestimmungen.
     
  • Obwohl sich das liberal ausgestaltete schweizerische Arbeitsrecht bisher als ausreichend elastisch erwiesen hat, sind im Zusammenhang mit der Sharing Economy gewisse Arbeitsmarktaspekte im Auge zu behalten, um möglichen gesellschaftlichen Risiken vorzubeugen. Offenen Fragen bestehen insbesondere bezüglich gesellschaftlicher und gesundheitlicher Auswirkungen (Stichwort:  Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse) und im Bereich der Sozialversicherungen. Gegebenenfalls müssen hier an die neuen Gegebenheiten angepasste Modelle der Sozialpartnerschaft gesucht werden.
     
  • Die heutigen Stärken der Schweiz sollten auf die Plattformökonomie übertragen werden, indem in der Bildungspolitik entsprechende Akzente gesetzt werden und zwar von der schulischen Grundbildung bis hin zur beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Erarbeitet wurde die Studie im Auftrag von TA-SWISS von einem interdisziplinären Projektteam unter der Leitung von Thomas von Stokar, INFRAS, Zürich.

Studie

Sharing Economy – teilen statt besitzen. Thomas von Stokar, Martin Peter, Remo Zandonella,  Vanessa Angst, Kurt Pärli, Gabi Hildesheimer, Johannes Scherrer, Wilhelm Schmid. vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2018.  

Im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7281-3880-4) sowie kostenlos zum Download als eBook unter: vdf.ethz.ch

Kurzfassung  

Teilen als Konsumkultur. TA-SWISS (Hrsg.), Bern 2018. Die wichtigsten Resultate und Empfehlungen in Kürze.  

Die Kurzfassung und weitere Informationen zum Projekt auf: ta-swiss.ch/projekteund-publikationen/informationsgesellschaft/sharing-economy/

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Technologie gibt Impulse – wir betrachten die Folgen

Neue Technologien können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Mitunter bergen sie aber auch neuartige Risiken, deren Folgen nicht immer auf Anhieb absehbar sind. Technikfolgenabschätzung (Technology Asssessment) zeigt, auf der Basis des gegenwärtigen Wissens, „mögliche technologische Zukünfte“ auf. Sie analysiert, stellt Folgenüberlegungen an und trägt damit zu transparenten Debatten über den Umgang unserer Gesellschaft mit neuen Technologien und reflektierten politischen Entscheidungen bei.  

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